Erfahrungsbericht - MBTsuite im industriellen Einsatz
In einem gemeinsamen Projekt der Universität Erlangen-Nürnberg, Siemens Healthcare, AFRA und sepp.med wurde die MBTsuite implementiert und in eine Kette von existierenden Werkzeugen integriert:
Die Software "syngo.via" von Siemens ist eine proprietäre Plattform für bildgebende Verfahren und vereinigt verschiedene Funktionalitäten dieser Geschäftgebiete sowie multiple Kunden- und Marktanforderungen. Darüber hinaus ist sie ein Medizinprodukt und muss gemäß den Vorgaben und Normen entsprechend entwickelt werden. Unter anderem gilt, dass alle Anforderungen lückenlos durch die Entwicklung und den Test verfolgbar sein müssen, sowie weitere Forderungen z.B. hinsichtlich der Sicherheit oder der Gebrauchstauglichkeit. Es handelt sich also um eine mehrdimensionale und sehr komplexe Anforderungslandschaft.
Die Beschreibung der Testfälle war sehr umfangreich und wenig änderungsfreundlich. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen an die Software sehr oft und noch kurz vor der geplanten Fertigstellung geändert. Unter Mitwirkung der Firmen AFRA GmbH aus Erlangen und sepp.med gmbh aus Röttenbach wurde 2007 der modellbasierte Test nahtlos mit folgender Werkzeugkette in den Prozess eingeführt:
- Automatischer Abgleich von in Requisite Pro verwalteten Anforderungen mit dem HP Quality Center.
- Import der Anforderungen in das UML-Modell und Verlinkung im Modell.
- Import erstellter Modelle aus Enterprise Architect in die MBTsuite, daraus Generierung von Testfällen mit zugehörigen Testdaten.
- Automatische Übertragung dieser Testfälle ins HP Quality Center, diese stehen mit Verlinkung zu den Anforderungen für die Testplanung und -durchführung zur Verfügung.
- Die Verbindung zwischen Requisite Pro und dem HP Quality Center ermöglicht die geforderte Zuordnung von Testfällen und deren Durchführung mit den Testergebnissen zu den ursprünglichen Anforderungen.
Der Paradigmenwechsel in der Testfallspezifikation vom textbasierten Verfahren zur Modellierung wurde reibungslos und gezielt vollzogen.
Um eine laufende Software-Entwicklung und die Freigabe gemäß einem verabschiedeten Projektplan nicht zu gefährden, wurde mit der Schulung eines Teammitgliedes begonnen. Dieses Teammitglied modellierte den Test eines abgegrenzten Teilprojektes.
In regelmäßigen Teambesprechungen wurde der Fortschritt berichtet und die gesammelten Erfahrungen diskutiert, um die Wiederholung von Fehlern zu vermeiden.
Neben den bisherigen Teambesprechungen zum allgemeinen Projektfortschritt wurden spezielle Meetings für die Einführung und Umsetzung der neuen Methode eingeführt. Dabei konnten "Lessons Learned" ebenso klar angesprochen werden wie die Planung des weiteren „Roll-Outs“ und die Unterstützung durch die Leitung.
Am Ende der Einführung arbeiteten fünf der 13 Teammitglieder an der Modellierung und hatten erkannt, dass die Methode viele Vorteile bringt. Eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung des modellbasierten Tests ist die Akzeptanz aller Beteiligten. Für das erfolgreich durchgeführte Projekt wurden 29 Modelle erstellt und damit 50% aller Testfälle automatisch erzeugt.
Die folgenden Erfahrungen konnten bei der Pilotierung und beim anschließenden Roll-Out gemacht werden:
- Die visuelle Darstellung ermöglicht es, schon lange vor der Testausführung Fehler in der Spezifikation zu erkennen und sich innerhalb eines weltweit kooperierenden Teams sowie mit den Entwicklern besser zu verständigen.
- Die erzeugten Modelle sind anpassbar und dadurch nach einer Änderung schneller wieder verwendbar.
- Anstatt Reviews von Hunderten von Testfällen durchzuführen werden die Testmodelle für das Review herangezogen.
- Eine geforderte Testabdeckung kann auf Modellebene durch den Einsatz der MBTsuite nachgewiesen werden.
- Nach Änderungen der Requirements sind die Modelle sehr schnell anpassbar und die Testfälle damit schnell aktualisiert.
Der oben beschriebene Informationsaustausch wird über die Einrichtung eines "Wikis" institutionalisiert. Erfahrungen und wichtige Neuigkeiten rund um das Thema "Modellbasierter Test@Magnetresonanz" können ins Intranet gestellt und dort auch gelesen werden. In einem nächsten Schritt wird die Testautomatisierung mit Hilfe der Technik des "Keyword Driven Tests" über MBT ermöglicht.
Eine Erweiterung ist durch die Anwendung der MBTsuite in der agilen Entwicklung vorgesehen. Die Entwicklung und die Testmodellierung können für Sprints gleichzeitig gestartet werden. Testfälle werden für jedes Inkrement und jeden Sprint schnell erzeugt.
Mit einer geplanten Einführung der MBTsuite können nicht nur die Ergebnisse hinsichtlich der Nachverfolgbarkeit (also der Absicherung und Steigerung der Effektivität) gesteigert sondern auch die Ressourcen effizienter eingesetzt werden.
Von entscheidender Bedeutung für die Einführung ist die gleichzeitige konsequente Einbindung aller involvierten Mitarbeiter und die Gewährleistung eines permanenten Kommunikationsprozesses durch das Management. So wird die Anerkennung und Mitwirkung aller Beteiligten gesichert und die Methode und das Werkzeug werden zum "Selbstläufer".
Axel Schadinsky
Fragen Sie direkt Herrn Axel Schadinsky. Er steht ihnen gerne als Gesprächspartner zur Verfügung - nur ein Klick entfernt.


