Automotive Software absichern: Automatisierung, Safety und Security
Sie lesen Teil 2 unserer Artikelserie zur Qualitätssicherung für Automotive Software
- Teil 1 – Qualitätssicherung für Automotive Software: Von Tests bis ASPICE 4.0
- Teil 2 – Automotive Software absichern: Automatisierung, Safety und Security
Die Anforderungen an Automotive Software wachsen auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Kürzere Entwicklungszyklen erfordern effizientere Testprozesse. Gleichzeitig verschärfen sich die regulatorischen Vorgaben für funktionale Sicherheit und Cybersecurity. Seit Juli 2024 gelten die UN-Regelungen R155 und R156 für alle neuen Fahrzeuge in der EU. Diese Anforderungen an Automotive Software lassen sich nur mit einem integrierten Ansatz aus Automatisierung und systematischer Absicherung bewältigen.
Testautomatisierung für Automotive Software
Testautomatisierung für Automotive Software
Manuelle Tests allein können den wachsenden Testumfang moderner Automotive Software nicht mehr bewältigen. Die Variantenvielfalt moderner Fahrzeugplattformen, häufige Software-Updates und enge Zeitpläne erfordern automatisierte Lösungen. Typische Herausforderungen sind:
- Ressourcenengpässe: Qualifizierte Testingenieure sind rar und manuelle Tests binden wertvolle Kapazitäten.
- Regressionsaufwand: Nach jeder Änderung müssen umfangreiche Testsuiten erneut durchlaufen werden.
- Varianten-Management: Unterschiedliche Konfigurationen vervielfachen den Testumfang erheblich.
- Nachweispflichten: Safety- und Security-Standards fordern dokumentierte Testergebnisse.
Automatisierte Tests reduzieren Testzeiten drastisch und liefern reproduzierbare, konsistente Ergebnisse. Sie skalieren flexibel über Plattformen und Varianten hinweg. Moderne Ansätze nutzen virtualisierte ECUs und Digital Twins, um Automotive Software bereits vor Verfügbarkeit physischer Hardware zu testen.
Funktionale Sicherheit für Automotive Software
Sicherheitskritische Systeme wie Bremsen, Lenkung und Fahrerassistenz unterliegen der ISO 26262. Der Standard definiert Automotive Safety Integrity Levels (ASIL A bis D) basierend auf Schwere, Eintrittswahrscheinlichkeit und Beherrschbarkeit von Gefahren. Je höher das ASIL, desto strenger die Anforderungen an Entwicklung und Verifikation der Automotive Software.
Der Prozess beginnt mit einer umfassenden Risikoanalyse (HARA). Daraus leiten sich Sicherheitsanforderungen ab, die durch spezielle Verifikations- und Validierungstests nachgewiesen werden müssen. Die dritte Edition der ISO 26262 wird voraussichtlich 2027 erscheinen und Updates für KI-basierte Systeme enthalten.
Cybersecurity: Pflicht seit Juli 2024
Mit den UN-Regelungen R155 und R156 gelten seit Juli 2024 verbindliche Cybersecurity-Anforderungen für alle neuen Fahrzeuge in UNECE-Mitgliedsstaaten. Die Kernforderungen für Automotive Software umfassen:
- UN R155: Nachweis eines zertifizierten Cybersecurity Management Systems (CSMS) mit Risikomanagement über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus. Die Regelung definiert 69 Angriffsvektoren.
- UN R156: Etablierung eines Software Update Management Systems (SUMS) für sichere Over-the-Air-Updates.
Ohne entsprechende Zertifizierung erhalten Hersteller keine Typgenehmigung. Die Anforderungen kaskadieren durch die Lieferkette: Auch Tier-1- und Tier-2-Zulieferer müssen Compliance-Nachweise für ihre Automotive Software liefern. Die ISO/SAE 21434 bietet den Engineering-Rahmen für die Umsetzung.
Integrierter Ansatz für Automotive Software
Erfolgreiche Projekte behandeln Testautomatisierung, Safety und Security nicht als getrennte Disziplinen. Automatisierte Testframeworks können sowohl funktionale Tests als auch sicherheitsrelevante Verifikationen der Automotive Software abdecken. Die ASPICE for Cybersecurity 2.0 Erweiterung (März 2025) unterstützt die Integration auf Prozessebene.
Wie sepp.med Sie unterstützt
Wie sepp.med Sie unterstützt
Wir verbinden Expertise in Testautomatisierung mit fundiertem Safety- und Security-Know-how für Automotive Software:
- ✅ Konzeption und Implementierung von Testautomatisierungs-Frameworks
- ✅ Risikoanalysen nach ISO 26262 und TARA nach ISO/SAE 21434
- ✅ Entwicklung sicherheitskonformer Validierungsartefakte
- ✅ Vorbereitung auf CSMS-Zertifizierung und Typgenehmigung
Sprechen Sie mit uns über Ihre Anforderungen. Gemeinsam schaffen wir die Grundlage für sichere, zuverlässige Automotive Software.
FAQs
Automatisierte Tests sind schneller, reproduzierbar und skalierbar. Sie ermöglichen häufigere Regressionstests und liefern konsistente Nachweise für Assessments und Audits.
ISO 26262 adressiert funktionale Sicherheit von Automotive Software, also den Schutz vor Fehlfunktionen. UN R155 fokussiert auf Cybersecurity, also den Schutz vor absichtlichen Angriffen.
Seit Juli 2024 gilt UN R155 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge in den UNECE-Mitgliedsstaaten. Die erste Phase ab Juli 2022 betraf nur neue Fahrzeugtypen.
Ein Cybersecurity Management System umfasst Prozesse, Rollen und Maßnahmen zur Identifikation, Bewertung und Behandlung von Cybersecurity-Risiken für Automotive Software über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus.