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40 Jahre sepp.med – Ein Rückblick auf die ersten 10 Jahre mit Norbert Kastner

Lese­zeit: 10 Minu­ten
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Nor­bert Kas­t­ner ist ein sepp.medler der ers­ten Stun­de. Er hat die Ent­wick­lung der sepp.med gmbh von Anfang an mit­er­lebt und sie bis zu sei­nem Ein­tritt in den Ruhe­stand mit­ge­stal­tet, unter ande­rem als Geschäfts­füh­rer und Teil­ha­ber. Das The­ma Soft­ware­qua­li­tät beglei­tet ihn jedoch noch immer. Seit vie­len Jah­ren enga­giert er sich im ASQF und ist seit Sep­tem­ber 2015 ASQF-Vizepräsident.

Im Inter­view blickt er zurück auf die ers­ten zehn Jah­re der Unter­neh­mens­ge­schich­te von sepp.med.

norbert kastner

Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre ist oftmals in Garagen der Grundstein für erfolgreiche Unternehmen gelegt worden. War das bei sepp.med auch so?

Nor­bert Kas­t­ner: Bei uns war es ein biss­chen anders. Der Grund­stein wur­de an der Uni Erlan­gen gelegt. Franz-Josef Pres­ter (kurz Sepp) war mit sei­ner Pro­mo­ti­on beschäf­tigt und Josef Maria Koch (kurz Josef) noch Stu­dent der Infor­ma­tik, als sie die Fir­ma grün­de­ten. Ken­nen­ge­lernt haben sie sich dort im Rah­men eines For­schungs­pro­jekts zum The­ma „Real-Time-Pro­zess-Betriebs­sys­tem für Micro­pro­zes­so­ren“. Der dafür ange­schaff­te Z‑80-Mini­rech­ner (den Begriff PC gab es damals noch nicht) stand im Rech­ner­raum des phy­si­ka­li­schen Tan­dem­la­bors und durf­te von der neu gegrün­de­ten Fir­ma mit­be­nutzt werden.

An die­sem Pro­jekt war auch ich als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter betei­ligt und wur­de dann von Sepp als ers­ter Mit­ar­bei­ter für das neue Unter­neh­men gewon­nen. Mein ers­ter Arbeits­platz war in die­sem Rech­ner­raum. Erst eini­ge Zeit spä­ter wur­de im Kel­ler des Wohn­hau­ses von Sepp ein Sekre­ta­ri­at und der ers­te eige­ne Rech­ner­raum eingerichtet.

Habt Ihr von Anfang an für feste Kunden gearbeitet?

Nor­bert Kas­t­ner: Unser ers­ter Kun­de war die TeKa­De in Nürn­berg. Die TeKa­De hat damals bereits mit Phil­ips koope­riert, bevor sie spä­ter kom­plett über­nom­men wur­de. Dadurch hat sich der Kun­den­kreis schnell auf Phil­ips erwei­tert, sowohl in Ham­burg als auch in Eindhoven.

Der zwei­te Kun­de war schon Sie­mens Medi­zin­tech­nik – zunächst im Firm­ware­be­reich, spä­ter in der Anwen­dungs­soft­ware. Mit dem akti­ven Ein­stieg von Josef begann das The­ma Pro­zess­steue­rung im Auf­trag von Sie­mens ZN in Nürnberg.

Wie sahen die ersten Projekte aus?

Nor­bert Kas­t­ner: Bei der TeKa­De ging es um das The­ma Gra­fik­soft­ware im CAD-Bereich. Dies war ein Spe­zi­al­ge­biet von Sepp, der unter ande­rem im DIN-Nor­mungs­aus­schuss zu die­sem The­ma mit­ar­bei­te­te. Ziel war es, durch eine Schich­ten­ar­chi­tek­tur mit nor­mier­ten Schnitt­stel­len, zwi­schen gerä­te­un­ab­hän­gi­gen Sys­tem­tei­len und pas­sen­den Gerä­te­trei­bern für die Ein­ga­be (Stift, Tablett) wie auch die Aus­ga­be (Moni­tor, Plot­ter) her­stel­ler­un­ab­hän­gig zu werden.

Für Sie­mens Medi­zin­tech­nik wur­den Mikro­pro­zes­so­ren für Com­pu­ter­to­mo­gra­fen pro­gram­miert. Sie­mens ZN Nürn­berg hat eine Rei­he von Indus­trie­pro­jek­ten zur Steue­rung von Anla­gen betreut. Unse­re Mit­ar­bei­ter haben unter ande­rem an der Steue­rung von Klär­wer­ken mitgearbeitet.

Habt Ihr darüber hinaus noch eigene Produkte entwickelt und vertrieben?

Nor­bert Kas­t­ner: Wir haben von Anfang an Pro­dukt­ent­wick­lung im Gra­fik­be­reich betrie­ben. Wäh­rend ande­re Fir­men die in der Gra­fik-Norm GKS (Gra­fi­sches Kern­sys­tem) beschrie­be­nen Kom­po­nen­ten kom­plett umge­setzt haben und dafür „gro­ße“ Rech­ner benö­tig­ten, woll­te Sepp von Anfang an als Ers­ter ein funk­tio­nal klei­nes, aber nor­men­kon­for­mes Gra­fik­sys­tem für Micro­rech­ner auf den Markt brin­gen. Dies ist uns mit GRIBS (Gra­fi­sches Inter­ak­ti­ves Basis­sys­tem) auch gelungen.

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Nor­bert Kas­t­ner (li.) und Franz-Josef Pres­ter (re.) auf einem Mes­se­stand aus den frü­hen Jah­ren des Unternehmens

Wie hat sich die Mitarbeitenden-Zahl in den ersten zehn Jahren entwickelt?

Nor­bert Kas­t­ner: Der Bedarf an Ver­stär­kung ist rasch gewach­sen. Noch 1981 kam ein wei­te­rer Mit­ar­bei­ter zu uns, Anfang 1982 folg­ten wei­te­re. Bis Mit­te der 80er-Jah­re war die Fir­ma dann auf ca. 30 Mit­ar­bei­ter gewachsen.

Ein für sepp.med wich­ti­ger Zugang war im Jahr 1983 Gün­ther Kle­bes. Auch der Kon­takt zu Gün­ther kam über die Uni und das bereits zitier­te For­schungs­pro­jekt zustan­de. Gün­ther war Spe­zia­list für Com­pi­ler­bau. Die­ses Know-How kam spä­ter bei Sie­mens Medi­zin­tech­nik in einem Pro­jekt zum Auf­bau einer Ent­wick­lungs­um­ge­bung bei einem Sys­tem­wech­sel zum Einsatz.

Eine wei­te­re wich­ti­ge Per­so­na­lie aus den frü­he­ren Jah­ren ist Hans-Wer­ner Mür­beth. Hans-Wer­ner brach­te Daten­bank-Know-How mit, das zunächst in einem Pro­jekt mit dem Bun­des­ge­sund­heits­amt zum Ein­satz kam. Hans-Wer­ners Leis­tung war dann der Auf­bau der kon­ti­nu­ier­li­chen Dienst­leis­tung für Sie­mens Medi­cal Sys­tems in Forch­heim, die letzt­end­lich in der Ver­lei­hung des Inno­va­ti­on Awards gipfelte.

Welche Traditionen haben sich in diesem ersten Jahrzehnt gebildet?

Nor­bert Kas­t­ner: Da steht natür­lich an ers­ter Stel­le die Josefi­fei­er. Sie fand immer um den 19. März statt, dem Namens­tag des Josef. Sepp ist der bay­ri­sche Name für Josef. Sie erin­nert an die bei­den Grün­der, die dem Unter­neh­men ihren Namen gaben. Dies war neben den sonst in Unter­neh­men übli­chen Ver­an­stal­tun­gen wie Weih­nachts­fei­er und Betriebs­aus­flug die sepp.med-spezifische Ver­an­stal­tung. Sie ver­mit­tel­te den Mit­ar­bei­tern von Anfang an das Gefühl, Mit­glied einer beson­de­ren Fir­ma zu sein.

Außer­dem gab es von Anfang an jähr­lich min­des­tens eine Ver­an­stal­tung, bei der die Fami­lie der Mit­ar­bei­ter mit ein­ge­la­den war. Die meis­ten neu gegrün­de­ten Fir­men star­ten auf einer sehr per­sön­li­chen Ebe­ne, bei der das DU im Umgang mit­ein­an­der am Anfang üblich ist, aber spä­ter oft auf­ge­ge­ben wird. Bei uns wur­de die­ser DU-Kon­takt über die Wachs­tums­pha­sen hin­weg wei­ter erhal­ten und gepflegt.

Welche Werte prägen die Firmenkultur von Anfang an?

Nor­bert Kas­t­ner: Wich­tig war von Anfang an der Wunsch, Kol­le­gen zu haben, mit denen man einer­seits gut zusam­men­ar­bei­ten kann und ande­rer­seits auch mensch­li­che, pri­va­te Gemein­sam­kei­ten ent­wi­ckeln kann. So haben sich über Jah­re hin­weg immer wie­der sehr per­sön­li­che Freund­schaf­ten ent­wi­ckelt oder es wur­den gemein­sa­me Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten unternommen.

Die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie stand von Anfang an auf der Agen­da. Sepp war ein Fami­li­en­mensch. Es ist nicht leicht und auch nicht immer mög­lich, den Spa­gat zwi­schen den bei­den Wel­ten zu machen. Aber was mög­lich war, wur­de auch umge­setzt. Dies schafft zufrie­de­ne­re Mit­ar­bei­ter und das wirkt sich wie­der­um posi­tiv auf das Fir­men­kli­ma und die Arbeit aus.

Ein wei­te­rer wich­ti­ger Eck­pfei­ler war von Anfang an die Kul­tur der offe­nen Türe. Jeder Mit­ar­bei­ter und jede Mit­ar­bei­te­rin konn­te zu jeder Zeit mit sei­nen Anlie­gen direkt auf die Füh­rungs­per­so­nen zuge­hen und fand offe­ne Ohren. Dies bringt Offen­heit, Respekt, Ver­ständ­nis und Ver­trau­en im Umgang mit­ein­an­der mit sich. Das ist der Grund­stein für einen „fami­liä­ren“ Umgang.

Ein wei­te­rer sehr wich­ti­ger Aspekt war schon immer die Gleich­stel­lung von Män­ner und Frau­en, z. B. bei der Ein­stel­lung oder auch der Bezah­lung, auch wenn es den Begriff und die Bewe­gung „Equal Pay“ damals noch nicht gab.

Viele Start-Ups haben seinerzeit die ersten Jahre nicht überstanden. Was habt Ihr damals richtig gemacht, dass sepp.med heute, nach 40 Jahren, immer noch so erfolgreich am Markt agiert?

Nor­bert Kas­t­ner: Da fällt mir fol­gen­de Geschich­te ein: Als nach zehn Jah­ren die ers­te Betriebs­prü­fung anstand, hat der Prü­fer uns mit­ge­teilt, dass er Neu­land betritt. Er hat­te noch nie ein Soft­ware-Unter­neh­men zu prü­fen, da sie meis­tens nicht so lan­ge existierten.

Ich habe heu­te in der Zei­tung in einem Inter­view mit Hein­rich von Pie­rer (1992 bis 2004 Vor­stands­vor­sit­zen­der der Sie­mens AG) gele­sen: „Man muss flei­ßig sein – und zu einer Kar­rie­re gehö­ren das Glück und der Zufall, sehr sogar.“ Dem kann ich voll zustim­men. Für eine nach­hal­ti­ge Unter­neh­mens­ent­wick­lung braucht es aber auch noch gute Ideen und eine stra­te­gi­sche Ausrichtung.

Wich­tig war uns von Anfang an eine Zwei­glei­sig­keit – einer­seits Pro­dukt­ent­wick­lung und ande­rer­seits Dienst­leis­tung. Es galt immer wie­der abzu­wä­gen, wie viel Pro­dukt­ent­wick­lung kön­nen wir uns leis­ten. Wir haben in bei­den Berei­chen immer wie­der neue, zukunfts­ori­en­tier­te Ideen ent­wi­ckelt und umgesetzt.

Und es war uns von Anfang an wich­tig, nicht nur eine Fir­ma zu sein, son­dern eine Mar­ke auf­zu­bau­en, die am Markt als sol­che wahr­ge­nom­men wird. Auch unser Unter­neh­men hat­te zeit­wei­se mit Schwie­rig­kei­ten zu kämp­fen, die durch­aus exis­ten­ti­el­ler Art waren. Zum Glück hat uns die Bank nicht hän­gen las­sen. Wich­tig war aber auch, dass unse­re Mit­ar­bei­ter mit­ge­hol­fen haben, die Durst­stre­cken zu überwinden.

Herz­li­chen Dank an Nor­bert Kas­t­ner für die inter­es­san­ten Infor­ma­tio­nen und die wich­ti­gen Bei­trä­ge, die er zum Erfolg von sepp.med geleis­tet hat.

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