Sie befin­den sich hier:Start­sei­te/Blog/Der Tur­bo für die Ent­wick­lung des auto­no­men Fah­rens ist gestartet

Der Turbo für die Entwicklung des autonomen Fahrens ist gestartet

Lese­zeit: 12 Minu­ten
savenow simulation strasse socialshare

Die euro­päi­schen Auto­her­stel­ler haben den Tur­bo ange­wor­fen, um auf dem Gebiet des auto­no­men Fah­rens mit­zu­mi­schen. Ein gewis­ser Vor­sprung der Play­er aus den USA ist nicht zu bestrei­ten. Das soll sich jedoch in abseh­ba­rer Zeit grund­le­gend ändern. Denn die Auto­her­stel­ler – an ers­ter Stel­le Audi/VW, aber auch BMW und Daim­ler – haben den Tur­bo ange­wor­fen und kön­nen bereits über­zeu­gen­de Ergeb­nis­se vorweisen.

Das Forschungsprojekt „SAVeNoW“

Wir freu­en uns, dass der Staat die­ses zukunfts­ori­en­tier­te und wich­ti­ge The­ma för­dert: Das For­schungs­pro­jekt „SAVe“, das sich inten­siv mit der Funk­ti­ons- und Ver­kehrs­si­cher­heit im auto­ma­ti­sier­ten und ver­netz­ten Fah­ren befasst, geht in die nächs­te Run­de. 7,7 Mil­lio­nen Euro an För­der­gel­dern stellt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ver­kehr und digi­ta­le Infra­struk­tur (BMVI) für das Nach­fol­ge­pro­jekt „SAVeNoW“ zur Ver­fü­gung. Kern-Ele­ment die­ses För­der­pro­jek­tes ist die Ent­wick­lung eines digi­ta­len Zwil­lings – hier kann sepp.med mit sei­ner Kom­pe­tenz aus ver­schie­de­nen Pro­jek­ten zum The­ma digi­ta­ler Zwil­ling und Simu­la­ti­on natür­lich pro­mi­nent beitragen.

Unser Geschäfts­füh­rer Flo­ri­an Pres­ter sprach mit Lutz Morich (Audi AG), dem Lei­ter des För­der­pro­jek­tes, und erhielt hoch­in­ter­es­san­te Ant­wor­ten auf sei­ne Fra­gen. Außer­dem erklä­ren Dr. Mar­tin Bei­ßer und Karl-Heinz Kühn­lein, die bei­den bei sepp.med zustän­di­gen För­der­pro­jekt­lei­ter und Auto­mo­ti­ve-Exper­ten, wie sepp.med inner­halb des För­der­pro­jekts SAVeNoW zur Opti­mie­rung der Sicher­heit beim auto­no­men Fah­ren beiträgt.

sepp.med Geschäftsführer Florian Prester im Gespräch mit Lutz Morich (Audi AG), Leiter des Förderprojektes SAVeNoW

Was war das Besondere an dem Vorgängerprojekt SAVe?

Lutz Morich: Für mich war beson­ders, dass ich erst­ma­lig ein Pro­jekt mit so vie­len ver­schie­de­nen Part­nern orga­ni­sie­ren durf­te. Aus der Ver­gan­gen­heit hat­te ich Erfah­run­gen mit klas­si­schen Auto­mo­ti­ve-Pro­jek­ten. Ein For­schungs­pro­jekt, an dem so unter­schied­li­che Part­ner aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft und Ver­wal­tung betei­ligt sind, war für mich völ­li­ges Neuland.

Ich glau­be, dass die­se bun­te und inter­dis­zi­pli­nä­re Mischung gene­rell die Beson­der­heit, den Reiz und auch den Erfolg von SAVe aus­ge­macht haben. Der­art kom­ple­xe Fra­ge­stel­lun­gen sind nur mit der Intel­li­genz von Vie­len aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven zu lösen.

lutz morich

Warum wurde ein Folgeprojekt nötig?

Lutz Morich: SAVe hat metho­di­sche Grund­la­gen für ein vir­tu­el­les Test­feld im urba­nen Raum gelegt. Bereits vor SAVe hat­ten wir vor, die­se Metho­dik auch ope­ra­tiv und betreib­bar umzu­set­zen. Der ers­te Anlauf der För­der­be­an­tra­gung dazu im Jahr 2017 war nicht erfolg­reich. Aus mei­ner Sicht war die Zeit noch nicht reif. So haben wir mit SAVe den metho­di­schen Nach­weis ange­tre­ten und wer­den nun ska­lie­ren und operationalisieren.

savenow simulation

Die im Pro­jekt SAVe ent­wi­ckel­ten Werk­zeu­ge für die digi­ta­le Kopie einer Stadt wer­den beim Fol­ge­pro­jekt SAVeNoW anhand eines rea­len Bei­spiels ange­wand. Die Simu­la­ti­on bil­det die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur der Stadt Ingol­stadt ab.

Was versprichst Du Dir von der Teilnahme von sepp.med?

Lutz Morich: Ein der­ar­tig kom­ple­xes Sys­tem, das wir „vor der Brust“ haben, bedarf pro­fes­sio­nel­ler Soft­ware-Kom­pe­tenz ins­be­son­de­re in der Qua­li­täts-Siche­rung. Das Sys­tem muss vali­de und zuver­läs­sig sein. Ich habe gro­ßes Ver­trau­en in ein Unter­neh­men, das bereits seit 40 Jah­ren erfolg­reich im Bereich Soft­ware-Ent­wick­lung in der Medi­zin tätig ist und die­ses Know­how seit über 15 Jah­ren auch im Bereich Auto­mo­ti­ve einbringt.

Was sind die Highlights aus deiner Sicht für SAVeNoW?

Lutz Morich: Ich hof­fe auf eini­ge High­lights. Span­nend wird die Zusam­men­ar­beit in dem gewach­se­nen Ver­bund. Er ist noch grö­ßer und viel­fäl­ti­ger gewor­den. Ein „Dau­er­high­light“ ist für mich, dass wir dau­ernd von­ein­an­der ler­nen und Neu­es ent­de­cken kön­nen. Das war bei SAVe so und wird, da bin ich ziem­lich sicher, auch bei SAVeNoW der Fall sein.

Warum engagierst Du Dich in dem Projekt? Was möchtest Du bewegen was treibt Dich an?

Lutz Morich: Ich bin davon über­zeugt, dass die Auto­mo­bil­in­dus­trie mit dem Wech­sel vom rei­nen Her­stel­ler zum Mobi­li­täts­an­bie­ter vor der größ­ten Her­aus­for­de­rung steht, seit das Auto Anfang des letz­ten Jahr­hun­derts die Stra­ßen erobert hat. Der Wech­sel aus der Per­spek­ti­ve des Fahr­zeugs in die des Gesamt­sys­tems Ver­kehr ist nicht trivial.

Zudem habe ich als Kind im Ruhr­ge­biet mit dem Ster­ben der Zechen und Hoch­öfen einen Struk­tur­wan­del erlebt, der aus mei­ner Sicht wenig erfolg­reich war. Ich habe seit gerau­mer Zeit ein Déjà-Vu hier im Ingol­städ­ter Raum. Das müs­sen wir bes­ser machen und dazu möch­te ich einen Bei­trag leisten.

SAVeNoW, der digitaler Zwilling für das autonome Fahren

Die bei­den bei sepp.med zustän­di­gen För­der­pro­jekt­lei­ter Dr. Mar­tin Bei­ßer und Karl-Heinz Kühn­lein beant­wor­ten unse­re wei­ter­ge­hen­den Fra­gen zu die­sem span­nen­den Projekt.

Was ist das Ziel dieses Förderprojektes?

Dr. Mar­tin Bei­ßer: Ziel des För­der­pro­jek­tes ist es, wich­ti­ge Impul­se für die Mobi­li­tät der Zukunft zu lie­fern. Die­se soll nach­hal­ti­ger, siche­rer und intel­li­gent ver­netzt sein. Bis­lang unge­nutz­te Opti­mie­rungs­po­ten­tia­le in den Domä­nen Funk­ti­ons- und Ver­kehrs­si­cher­heit, Ver­kehrs­ef­fi­zi­enz sowie Emis­si­ons­re­duk­ti­on und Umwelt­schutz sol­len gezielt genutzt und aus­ge­schöpft wer­den, um so die all­ge­mei­ne Ver­kehrs­wen­de voranzutreiben.

Karl-Heinz Kühn­lein: Als über­ge­ord­ne­tes Ziel des Pro­jekts SAVeNoW sol­len die Vor­aus­set­zun­gen für ein stan­dar­di­sier­tes, ganz­heit­li­ches sowie nach­hal­tig betreib­ba­res Simu­la­ti­ons­mo­dell für ver­schie­de­ne Anwen­dungs­fäl­le und Ziel­grup­pen geschaf­fen wer­den, das per­ma­nent durch unter­schied­lichs­te Echt­zeit­da­ten ange­rei­chert und aktua­li­siert wer­den kann. Ein wei­te­res Ziel ist schließ­lich die För­de­rung eines beglei­ten­den Dia­logs zu gesell­schaft­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen über auto­ma­ti­sier­tes Fahren.

savenow simulation regenwetter

Das Simu­la­ti­ons­mo­dell des Pro­jekts SAVeNoW bil­det nicht nur Stra­ßen, Gebäu­de oder Ver­kehrs­re­geln ab, son­dern berück­sich­tigt auch dyna­mi­sche Ele­men­te wie etwa hohes Ver­kehrs­auf­kom­men zu Stoß­zei­ten oder Ver­kehrs­be­ein­träch­ti­gun­gen durch das Wetter.

Wie lange ist die Projektdauer angelegt?

Karl-Heinz Kühn­lein: Das Pro­jekt ist auf 2,5 Jah­re geplant.

Wieviele Projektpartner arbeiten zusammen?

Dr. Mar­tin Bei­ßer: Neben gro­ßen Play­ern des Auto­mo­bil­be­reichs arbei­ten wis­sen­schaft­li­che Insti­tu­tio­nen mit inno­va­ti­ven mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men zusam­men. Das tech­ni­sche Know-How wird durch die Katho­li­sche Uni­ver­si­tät Eich­städt um gesell­schafts­po­li­ti­sche und ethi­sche Fra­ge­stel­lun­gen ergänzt.

Was sind die Herausforderungen, denen dieses Projekt begegnet?

Karl-Heinz Kühn­lein: Die Modell­struk­tu­ren des soge­nann­ten Digi­ta­len Test­felds – gewon­nen aus rea­len Ver­kehrs­da­ten der Stadt Ingol­stadt – sol­len in ein Vir­tu­el­les Test­feld über­tra­gen wer­den, in dem alle Ver­kehrs­vor­komm­nis­se simu­liert, bewer­tet und opti­miert wer­den können.

In welchem Bereich wird sepp.med aktiv sein?

Dr. Mar­tin Bei­ßer: sepp.med wird in allen Berei­chen des Pro­jekts mit­wir­ken. Es wird eine App für Mobil­ge­rä­te ent­wi­ckelt, wel­che die Ergeb­nis­se der Simu­la­ti­on für die Gesell­schaft visua­li­siert und begreif­bar macht. An den Aus­wer­tun­gen des Digi­ta­len Test­felds und der Über­tra­gung in das Vir­tu­el­le Test­feld ist sepp.med eben­so betei­ligt, wie an der Rea­li­sie­rung in einer über­grei­fen­den Cloud-Lösung.

Was sind die Expertisen, mit denen sepp.med zum Projekterfolg beitragen wird?

Karl-Heinz Kühn­lein: sepp.med lie­fert mit sei­ner Exper­ti­se beim Modell­ba­sier­tem Test wich­ti­ge Bei­trä­ge zur Qua­li­täts­si­che­rung im gesam­ten Pro­jekt. Die bestehen­den Exper­ti­sen in den Berei­chen „App as a Ser­vice“, „Infra­st­ruc­tu­re as Code“ und „Qua­li­ty as a Ser­vice“ wer­den ein­ge­bracht und vertieft.

Werden auch innovative Methoden eingesetzt, z. B. KI, agiles Vorgehen, DevOps?

Karl-Heinz Kühn­lein: Die im Ein­zel­nen ein­ge­setz­ten Metho­den ste­hen jetzt zu Pro­jekt­be­ginn noch nicht abschlie­ßend fest. Sicher ist aber, dass ein der­art inno­va­ti­ves Pro­jekt auch inno­va­ti­ver Metho­den bedarf, um die Pro­jekt­zie­le zu errei­chen. sepp.med kann hier aus sei­nem gro­ßen Port­fo­lio an inno­va­ti­ven Metho­den schöpfen.

Gibt es Projekte, in denen sepp.med diese speziellen Kompetenzen bereits unter Beweis stellen konnte?

Dr. Mar­tin Bei­ßer: Bereits in ande­ren Pro­jek­ten hat sepp.med wich­ti­ge, inno­va­ti­ve Bei­trä­ge gelie­fert. Im Pro­jekt PetS3 wur­den Metho­den zur Über­prü­fung der IT-Sicher­heit für auto­mo­bi­le Sys­te­me ent­wi­ckelt. Im Pro­jekt MAS­SiF wur­den wich­ti­ge Grund­la­gen zur Model­lie­rung von IT-Sicher­heits­sze­na­ri­en entwickelt.

Wie viele sepp.med Mitarbeitende sind involviert?

Karl-Heinz Kühn­lein: sepp.med stellt die­sem Pro­jekt zwei Seni­or Experts bei, die von zwei Juni­or Experts unter­stützt werden.

Wir dan­ken Lutz Morich, Dr. Mar­tin Bei­ßer und Karl-Heinz Kühn­lein für die aus­führ­li­che Beant­wor­tung unse­rer Fragen.

Das För­der­pro­jekt SAVeNoW wird eine ent­schei­den­de Grund­la­ge für die Ent­wick­lung des auto­no­men Fah­rens dar­stel­len. Des­halb wün­schen wir allen Betei­lig­ten einen rei­bungs­lo­sen Pro­jekt­ver­lauf und viel Erfolg!

Kommentare und Feedback gerne via Social Media:

Blei­ben Sie auf dem Lau­fen­den – mit dem monat­li­chen sepp.med Newsletter:

sepp.med News­let­ter abonnieren