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Future Healthcare: KI in der Medizin und Medizintechnik

Lese­zeit: 16 Minu­ten
Future Healthcare: KI in der Medizin und Medizintechnik

Künst­li­che Intel­li­genz (KI) hat in den letz­ten Jah­ren vie­le Berei­che unse­res Lebens beein­flusst und ver­än­dert. Die Ver­füg­bar­keit von leis­tungs­fä­hi­gen Sprach­mo­del­len mit ein­fach zu bedie­nen­den Chat-Ober­flä­chen – wie z. B. ChatGPT – oder von Bild­ge­ne­rie­rungs­tools – wie z. B. Mid­jour­ney oder Sta­ble Dif­fu­si­on – hat das The­ma künst­li­che Intel­li­genz in den letz­ten Mona­ten end­gül­tig in den Fokus einer brei­ten Öffent­lich­keit gerückt und viel­fäl­ti­ge Dis­kus­sio­nen über Mög­lich­kei­ten, Nut­zen aber auch Risi­ken ausgelöst.

Dabei sind die Anwen­dungs­fel­der KI-basier­ter Soft­ware weit­aus viel­fäl­ti­ger, als es die aktu­el­le öffent­li­che Dis­kus­si­on, die sich haupt­säch­lich um gene­ra­ti­ve KI-Tools dreht, ver­mu­ten lässt. Da wir uns bei sepp.med inten­siv mit dem The­men­kom­plex „Future Health­ca­re“ aus­ein­an­der­set­zen, sind für uns die Ein­satz­mög­lich­kei­ten von KI in der Medi­zin und in der Medi­zin­tech­nik von beson­de­rem Interesse.

Ob in der For­schung, in der Dia­gnos­tik oder in der prak­ti­schen Anwen­dung als Unter­stüt­zung für medi­zi­ni­sches Fach­per­so­nal – die Mög­lich­kei­ten und Ein­satz­ge­bie­te für künst­li­che Intel­li­genz im medi­zi­ni­schen Umfeld sind viel­fäl­tig. In die­ser Arti­kel­se­rie wer­den wir ver­schie­de­ne span­nen­de Aspek­te des Ein­sat­zes von künst­li­cher Intel­li­genz, ins­be­son­de­re in Form von Machi­ne Lear­ning, als Teil medi­zi­ni­scher Sys­te­me näher beleuchten.

In die­sem ers­ten Teil der Arti­kel­se­rie – und auch in dem in Kür­ze fol­gen­den zwei­ten Teil – ver­schaf­fen wir uns zunächst einen Über­blick über eini­ge viel­ver­spre­chen­de Anwen­dungs­ge­bie­te von KI in der Medizin:

Ab Teil 3 der Arti­kel­se­rie wer­den wir dann wich­ti­ge tech­ni­sche, ethi­sche und recht­li­che Aspek­te die­ses span­nen­den The­men­fel­des näher beleuch­ten. Abon­nie­ren Sie am bes­ten unse­ren News­let­ter, um direkt über neue Arti­kel infor­miert zu werden.

Künstliche Intelligenz in der bildgebenden Diagnostik

Die bild­ge­ben­de Dia­gnos­tik ist ein grund­le­gen­der Bestand­teil der moder­nen Medi­zin und umfasst ver­schie­de­ne Tech­ni­ken wie Rönt­gen, Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie (MRT), Com­pu­ter­to­mo­gra­phie (CT) und Ultra­schall. Die­se Ver­fah­ren lie­fern detail­lier­te Bil­der der inne­ren Struk­tu­ren des Kör­pers, die für die Dia­gno­se und Behand­lung von Krank­hei­ten uner­läss­lich sind. KI-basier­te Soft­ware zur Aus­wer­tung der Daten hat das Poten­zi­al, die­se Tech­ni­ken wei­ter zu ver­bes­sern und die Genau­ig­keit und Geschwin­dig­keit von Dia­gno­sen deut­lich zu erhöhen.

Künstliche Intelligenz in der bildgebenden Diagnostik

Ein kon­kre­tes Bei­spiel ist die Erken­nung von Lun­gen­krebs in CT-Bil­dern. Lun­gen­krebs ist eine der häu­figs­ten Krebs­ar­ten welt­weit und führt häu­fig zu einer hohen Sterb­lich­keits­ra­te, ins­be­son­de­re wenn er spät erkannt wird. KI-Sys­te­me kön­nen bei der Früh­erken­nung von Lun­gen­krebs hel­fen, indem sie Mus­ter und Anoma­lien in CT-Bil­dern erken­nen, die für das mensch­li­che Auge schwer zu sehen sind. Durch eine früh­zei­ti­ge Dia­gno­se haben Pati­en­ten bes­se­re Chan­cen auf eine erfolg­rei­che Behand­lung und Heilung.

Die auto­ma­ti­sche Erken­nung von Schlag­an­fäl­len in MRT-Bil­dern ist ein wei­te­res Bei­spiel. Schlag­an­fäl­le sind welt­weit eine der Haupt­ur­sa­chen für Behin­de­run­gen und Todes­fäl­le. Eine schnel­le Dia­gno­se und Behand­lung von Schlag­an­fäl­len ist ent­schei­dend, um blei­ben­de Schä­den zu mini­mie­ren. KI-basier­te Dia­gno­se­soft­ware kann zu einer schnel­le­ren und genaue­ren Erken­nung von Schlag­an­fäl­len bei­tra­gen, indem sie Mus­ter in MRT-Bil­dern erkennt, die auf einen Schlag­an­fall hin­deu­ten. Dies hilft Ärz­tin­nen und Ärz­ten, schnell die rich­ti­ge Behand­lung ein­zu­lei­ten und die Pro­gno­se für die betrof­fe­nen Per­so­nen zu verbessern.

Personalisierte Medizin mit KI-Unterstützung

Bei der per­so­na­li­sier­ten Medi­zin, die auch als Prä­zi­si­ons­me­di­zin bezeich­net wird, han­delt es sich um einen inno­va­ti­ven Ansatz in der Gesund­heits­für­sor­ge, der dar­auf abzielt, für jeden Pati­en­ten eine maß­ge­schnei­der­te The­ra­pie zu ent­wi­ckeln. Künst­li­che Intel­li­genz kann bei der Per­so­na­li­sie­rung von Medi­ka­men­ten und The­ra­pie­an­sät­zen zum Ein­satz kom­men, um kom­ple­xe Mus­ter in Genom- und Gesund­heits­da­ten zu erken­nen und zu ana­ly­sie­ren. Eine sol­che Ana­ly­se bil­det die Basis der indi­vi­du­el­len Anpas­sung an ein­zel­ne Patienten.

Personalisierte Medizin mit KI-Unterstützung

Blei­ben wir für ein kon­kre­tes Bei­spiel bei den bereits erwähn­ten Krebs­er­kran­kun­gen. Alle Pati­en­ten haben ein­zig­ar­ti­ge gene­ti­sche Pro­fi­le, die die Ent­ste­hung, den Ver­lauf und das Anspre­chen auf The­ra­pien beein­flus­sen. KI kann ein­ge­setzt wer­den, um die­se gene­ti­schen Infor­ma­tio­nen zu ana­ly­sie­ren und maß­ge­schnei­der­te The­ra­pie­plä­ne zu erstel­len. So gibt es bei­spiels­wei­se bei Brust­krebs je nach Sub­typ der Erkran­kung unter­schied­li­che Behand­lungs­an­sät­ze. Durch Ana­ly­se von Tumor­pro­ben und den Daten von Pati­en­ten kann KI-basier­te Soft­ware das medi­zi­ni­sche Per­so­nal dabei unter­stüt­zen, den Brust­krebs­sub­typ und die spe­zi­fi­schen gene­ti­schen Ver­än­de­run­gen einer Pati­en­tin zu iden­ti­fi­zie­ren. Auf die­ser Grund­la­ge kön­nen Ärz­tin­nen und Ärz­te dann ziel­ge­rich­te­te The­ra­pien – wie z. B. bestimm­te Medi­ka­men­te oder Immun­the­ra­pien – aus­wäh­len, die mit hoher Wahr­schein­lich­keit wirk­sam sind und weni­ger Neben­wir­kun­gen mit sich bringen.

Ein wei­te­rer Anwen­dungs­fall ist die Iden­ti­fi­zie­rung von Bio­mar­kern. Auch hier kön­nen KI-Werk­zeu­ge die Daten­ana­ly­se erleich­tern. Bio­mar­ker sind mess­ba­re Indi­ka­to­ren für bio­lo­gi­sche Pro­zes­se im Zusam­men­hang mit Krank­hei­ten. Sie kön­nen hel­fen, die Reak­ti­on des Kör­pers auf eine Behand­lung vor­her­zu­sa­gen und die Behand­lung im Lau­fe der Zeit so anzu­pas­sen, dass best­mög­li­che Ergeb­nis­se erzielt wer­den. Ein kon­kre­tes Bei­spiel ist der Tumor­ne­kro­se­fak­tor alpha (TNF‑α), ein Bio­mar­ker, der bei ent­zünd­li­chen Erkran­kun­gen wie rheu­ma­to­ider Arthri­tis und chro­nisch ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen häu­fig erhöht ist. KI-Tools kön­nen hel­fen, einen sol­chen Bio­mar­ker schnell und prä­zi­se zu iden­ti­fi­zie­ren, was für die Früh­erken­nung und Über­wa­chung die­ser Krank­hei­ten von ent­schei­den­der Bedeu­tung ist.

Künstliche Intelligenz in der Medikamentenentwicklung

Die Ent­wick­lung neu­er Medi­ka­men­te ist ein lang­wie­ri­ger und kos­ten­in­ten­si­ver Pro­zess, der oft vie­le Jah­re in Anspruch nimmt. Der Ein­satz künst­li­cher Intel­li­genz kann die For­schung erheb­lich beschleu­ni­gen und gleich­zei­tig die Erfolgs­quo­te bei der Iden­ti­fi­zie­rung viel­ver­spre­chen­der neu­er Wirk­stof­fe erhö­hen. Dazu ana­ly­sie­ren KI-Werk­zeu­ge gro­ße Men­gen an Daten aus unter­schied­li­chen Quel­len, um Mus­ter und Zusam­men­hän­ge zu erken­nen, die für die Iden­ti­fi­zie­rung neu­er Wirk­stof­fe und deren Ent­wick­lung ent­schei­dend sind.

Künstliche Intelligenz in der Medikamentenentwicklung

Die Iden­ti­fi­zie­rung des Wirk­stoffs Hali­cin als poten­zi­el­les Breit­band­an­ti­bio­ti­kum ist ein anschau­li­ches Bei­spiel für den Ein­satz von KI in der Arz­nei­mit­tel­ent­wick­lung. Hali­cin wur­de eigent­lich für die Behand­lung von Dia­be­tes ent­wi­ckelt, kam aber in die­ser Funk­ti­on nie auf den Markt. For­schen­de des Mas­sa­chu­setts Insti­tu­te of Tech­no­lo­gy (MIT) haben Hali­cin im Jahr 2019 jedoch als viel­ver­spre­chen­den Kan­di­da­ten für die Behand­lung von Infek­tio­nen mit anti­bio­ti­ka­re­sis­ten­ten Bak­te­ri­en iden­ti­fi­ziert. Es gilt als das ers­te Anti­bio­ti­kum, das durch den Ein­satz von künst­li­cher Intel­li­genz – Deep Lear­ning, um genau zu sein – ohne Prä­mis­sen ent­deckt wur­de. Das KI-Sys­tem durch­such­te Tau­sen­de von Ver­bin­dun­gen und iden­ti­fi­zier­te Hali­cin inner­halb weni­ger Tage, wäh­rend her­kömm­li­che Metho­den der For­schung Mona­te oder Jah­re gedau­ert hätten.

Die KI-gestütz­te Arz­nei­mit­tel­ent­wick­lung kann auf ver­schie­de­ne Wei­se erfol­gen. Eine Metho­de ist die soge­nann­te „In-Sili­co Drug Dis­co­very“, bei der Machi­ne-Lear­ning-Algo­rith­men vir­tu­el­le Biblio­the­ken che­mi­scher Ver­bin­dun­gen durch­su­chen, um viel­ver­spre­chen­de Kan­di­da­ten für die Ent­wick­lung neu­er Medi­ka­men­te zu iden­ti­fi­zie­ren. Die KI-Soft­ware ist in der Lage, Mus­ter und Zusam­men­hän­ge zu erken­nen, die auf eine mög­li­che Wirk­sam­keit der Ver­bin­dun­gen bei bestimm­ten Krank­hei­ten hin­deu­ten. Die­ses Ver­fah­ren kam auch im oben beschrie­be­nen Hali­cin-Bei­spiel zum Einsatz.

Ein wei­te­res Anwen­dungs­ge­biet ist der Ein­satz von künst­li­cher Intel­li­genz bei der For­schung zur Opti­mie­rung von Wirk­stof­fen, um bei­spiels­wei­se ihre Lös­lich­keit, Auf­nah­me oder Ver­stoff­wech­se­lung im Kör­per zu ver­bes­sern. Dies kann dazu bei­tra­gen, neue Medi­ka­men­te schnel­ler durch kli­ni­sche Stu­di­en und schließ­lich zur Zulas­sung zu bringen.

KI-basierte virtuelle Gesundheitsassistenten

Auf künst­li­cher Intel­li­genz basie­ren­de vir­tu­el­le Gesund­heits­as­sis­ten­ten sind digi­ta­le Platt­for­men, die Pati­en­ten und medi­zi­ni­sches Per­so­nal bei der Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung, der Ent­schei­dungs­fin­dung und der Kom­mu­ni­ka­ti­on im Rah­men der Gesund­heits­ver­sor­gung unter­stüt­zen. Sie kön­nen eine Viel­zahl von Auf­ga­ben über­neh­men, die tra­di­tio­nell von medi­zi­ni­schem Per­so­nal aus­ge­führt wer­den, und dazu bei­tra­gen, die Gesund­heits­ver­sor­gung effi­zi­en­ter und zugäng­li­cher zu machen. Digi­ta­le Gesund­heits­an­wen­dun­gen (DIGA) – soge­nann­te „Apps auf Rezept“ – kön­nen sol­che vir­tu­el­len Gesund­heits­as­sis­ten­ten enthalten.

KI-basierte virtuelle Gesundheitsassistenten

Vir­tu­el­le Gesund­heits­as­sis­ten­ten kön­nen bei­spiels­wei­se bei der Selbst­ein­schät­zung von Sym­pto­men unter­stüt­zen. Dazu stellt eine sol­che App einem Pati­en­ten zunächst eine Rei­he von Fra­gen, die auf aktu­el­lem medi­zi­ni­schem Wis­sen basie­ren. Anschlie­ßend wer­den mit­hil­fe von KI-Algo­rith­men mög­li­che Ursa­chen für die Sym­pto­me ermit­telt, die aus den Anwen­der-Ant­wor­ten abge­lei­tet wer­den konn­ten. Die App gibt dar­auf­hin eine Emp­feh­lung ab, ob ärzt­li­cher Rat ein­ge­holt wer­den soll­te oder ob Selbst­hil­fe­maß­nah­men aus­rei­chen. In die­sem Zusam­men­hang ist es wich­tig zu beto­nen, dass sol­che vir­tu­el­len Gesund­heits­as­sis­ten­ten kei­ne ärzt­li­che Dia­gno­se erset­zen, son­dern ledig­lich als Infor­ma­ti­ons­quel­le und Ent­schei­dungs­hil­fe dienen.

Vir­tu­el­le Gesund­heits­as­sis­ten­ten kön­nen zudem dazu bei­tra­gen, das Manage­ment chro­ni­scher Erkran­kun­gen zu ver­bes­sern. Bei­spiels­wei­se kann ein vir­tu­el­ler Gesund­heits­as­sis­tent Dia­be­ti­kern hel­fen, ihren Blut­zu­cker­spie­gel und ihre Insulin­do­sis zu über­wa­chen, an die Ein­nah­me von Medi­ka­men­ten zu erin­nern und Tipps für eine gesun­de Ernäh­rung und kör­per­li­che Akti­vi­tät zu geben. Dar­über hin­aus kön­nen vir­tu­el­le Gesund­heits­as­sis­ten­ten Daten über den Gesund­heits­zu­stand des Pati­en­ten sam­meln und ana­ly­sie­ren, um indi­vi­du­el­le Emp­feh­lun­gen zur Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät und des Dise­a­se-Manage­ments zu geben.

KI-Algorithmen erfolgreich in der Medizintechnik einsetzen

In Teil 2 unse­rer Arti­kel­se­rie wer­den wir uns die Kom­bi­na­ti­on aus KI und Robo­tik im medi­zi­ni­schen Ein­satz genau­er anse­hen. Außer­dem beleuch­ten wir die Mög­lich­kei­ten von KI-gestütz­ten Vir­tu­al-Rea­li­ty- und Aug­men­ted-Rea­li­ty-Anwen­dun­gen für die medi­zi­ni­sche For­schung, Aus­bil­dung und The­ra­pie. Blei­ben Sie auf dem Lau­fen­den mit unse­rem Newsletter.

Webinar: Die KI kommt! Der Mensch geht?

Die Auf­zeich­nung des Web­i­nars „Die KI kommt! Der Mensch geht?“ mit unse­rem Exper­ten Tors­ten Her­bert bie­tet eine fun­dier­te und aus­ge­wo­ge­ne Per­spek­ti­ve auf das The­ma KI, ihre Chan­cen und Herausforderungen.